Heute geht’s quer durchs Herz des Naturparks Altmühltal.
Kurven, kleine Täler, Burgen, Biergärten und mehr Motorradhimmel geht in Bayern eigentlich kaum.
Los geht’s durchs Usseltal.
Die Straße ist noch schön leer – wahrscheinlich schlafen die vernünftigen Leute noch. Motorradfahrer natürlich nicht.
Perfekte Bedingungen, um Motor und Gehirn langsam auf Betriebstemperatur zu bringen. Die Sonne strahlt mit mir um die Wette. Knapp 20 Grad, sattes Grün – die Bäume sind in den letzten Tages quasi explodiert. Ein Traumtag, dieser 01. Mai 2026.
In Trugenhofen biegen wir links ab Richtung Rohrbach und fahren hinüber ins Urdonautal nach Wellheim.
Ich liebe diese Strassen der dritten Ordnung. Schön schmal, kurvig und kaum Verkehr. Manchmal schlecht beinander, aber das ist mit meiner Reiseenduro kein Problem. Hier fühlt sie sich am wohlsten.
Letzte Woche hab ich erstmals selbst einen neuen Vorderreifen aufgezogen – war schon etwas anstrengend das Ganze – aber hat am Ende doch ganz gut funktioniert. Jetzt muss ich den Reifen mal so richtig einfahren.
Ach ja, TÜV hab ich auch gestern problemlos bekommen!
Der Prüfer war noch nie auf ner DCT gesessen – musste ihn erst mal einweisen – hat ihm dann aber sichtlich Spaß gemacht mit meiner AfricaTwin.
Wir kommen an der Burgruine Wellheim vorbei, sie thront über dem Tal.
Eine alte Burganlage mitten auf den Jurafelsen – wirkt ein bisschen wie aus einem Ritterfilm, nur dass heute statt Pferde eher Motorräder unten durchs Tunnel donnern.
Hier wird’s direkt mal richtig hübsch. Felsen, Wälder, Kurven … also genau die Art von Gegend, bei der man automatisch langsamer fährt, obwohl man eigentlich schneller wollte. Die Strecke hier ist genau richtig zum Warmfahren: flüssige Kurven, schöne Landschaft und ständig dieser Gedanke:
„Eigentlich müsste man alle hundert Meter anhalten und filmen.“
Über Biesenhard und Ochsenfeld geht’s weiter nach Wasserzell ins Altmühltal. Ab jetzt begleitet uns die Altmühl – gemütlich, ruhig und definitiv langsamer unterwegs als wir.
Wir kommen in die Bischofsstadt Eichstätt.
Über der Stadt sieht man schon von weitem die Willibaldsburg.
Die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz wacht seit Jahrhunderten über Eichstätt und sieht aus, als hätte jemand beschlossen, ein Schloss direkt auf einen Berg zu kleben.
Definitiv einer dieser Orte, wo man kurz überlegen muss, ob man lieber Motorrad fährt oder doch schnell Tourist wird.
Hinter Eichstätt cruisen wir weiter Richtung Kipfenberg.
Lange Kurven, kleine Dörfer und diese typische Altmühltal-Kulisse, bei der man sich fragt, warum man eigentlich jemals woanders Motorrad fährt.
In Pfünz verlassen wir das Altmühltal und fahren hinein ins Pfünzer Tal.
Wenig Verkehr, viel Natur und genau diese kleinen Nebenstraßen, die Motorradfahrer lieben und Navis meistens nicht auf dem Schirm haben. Ich kann euch nur empfehlen, immer mal links oder rechts in die Seitentäler zu fahren – ihr werdet nicht enttäuscht sein!
Hinauf nach Eitensheim, wieder rüber Richtung Hofstetten und dann runter nach Gungolding. Das Sträßchen dorthin ist schmal, kurvig und macht so viel Spaß, dass man am liebsten direkt nochmal umdrehen würde.
Macht man natürlich nicht … wir sind ja schließlich auf Tour.
… obwohl … eigentlich könnte man schon …
Kurz vor Arnsberg taucht dann Schloss Arnsberg auf.
Groß, hell und ziemlich majestätisch über dem Tal gelegen.
Die Gegend hier sieht sowieso aus, als hätten sich Burgen und Schlösser abgesprochen, möglichst fotogen auf jedem zweiten Hügel zu stehen.
Zurück an der Altmühl folgen wir dem Fluss weiter Richtung Beilngries.
Die Stadt ist bekannt für ihre historische Altstadt und liegt genau dort, wo Altmühl, Sulz und Main-Donau-Kanal zusammentreffen.
Also quasi ein Verkehrsknotenpunkt – nur deutlich hübscher als jeder Autobahnkreisel.
Weiter geht’s nach Dietfurt an der Altmühl.
Und wer den Ort kennt, denkt wahrscheinlich sofort an den berühmten Chinesenfasching.
Ja, ihr habt richtig gehört.
Ein bayerisches Städtchen mit chinesischem Fasching.
Warum?
Weil die Dietfurter früher als etwas eigenbrötlerisch galten und irgendwann einfach beschlossen haben, aus dem Spitznamen „Chinesen“ eine komplette Tradition zu machen.
Inklusive Kaiser, Drachen und jeder Menge verrückter Kostüme. Bayern kann manchmal schon speziell sein.
In Riedenburg verlassen wir schließlich die Altmühl und biegen ab ins Schambachtal.
Über der Stadt liegt die Rosenburg.
Heute bekannt für ihre Greifvogel-Flugshows – also Adler, Falken und andere Tiere, die deutlich eleganter durch Kurven fliegen als wir.
Die Strecke Richtung Hexenagger macht dann nochmal richtig Laune.
Kurven, kleine Straßen und ständig dieses breite Grinsen unterm Helm.
Und spätestens hier merkt man wieder:
Die richtig guten Motorradstrecken erkennt man daran, dass man nach jeder Kurve grinst wia a neis Fuchzgal.
Zum Abschluss geht’s weiter nach Hienheim zur Seilfähre Eining.
Ganz entspannt über die Donau setzen und eine schöne, entspannte Rast im Biergarten machen, bevor es wieder Richtung Heimat geht.
Und genau solche Touren sind es, die man eigentlich viel öfter machen müsste:
Keine Eile, keine Autobahn – einfach fahren, schauen und genießen.
Es gibt hier in der Gegend noch zwei weitere Seilfähren, die ohne Motor rein durch die Strömung der Donau angetrieben werden. Die nächste ist in Stausacker und geht rüber zum Kloster Weltenburg. Weiter unten Richtung Regensburg gibt es dann noch die Fähre in Matting. Ja und dann noch die in Eining. Meist werden hier Wanderer und Fahrradfahrer transportiert. Die Fährverbindung gibt es sage und schreibe schon seit dem 13. Jahrhundert.
Frisch gestärkt geht’s jetzt weiter Richtung Weltenburg.
Und spätestens hier versteht man, warum die Gegend so beliebt ist.
Die Donau zwängt sich durch hohe Felsen, überall Biergärten, Wanderer, Ausflugsschiffe … und wir sind auf zwei Rädern mit dabei.
Das Kloster Weltenburg gehört zu den ältesten Klöstern Bayerns.
Und das berühmte dunkle Bier dort hat vermutlich schon so manchen Motorradfahrer zu einer deutlich längeren Pause überredet als ursprünglich geplant.
Weiter geht’s nach Kelheim.
Dort treffen Altmühl und Donau zusammen – und über allem wacht die Befreiungshalle hoch oben auf dem Michelsberg. König Ludwig hatte offenbar ein Faible für monumentale Bauwerke mit Aussicht.
Ab Kelheim folgen wir der Donau am linken Ufer Richtung Regensburg.
Eine entspannte Strecke zum Rollenlassen. Nicht jede Motorradstraße muss aus 37 Spitzkehren bestehen. Manchmal reichen Fluss, Landschaft und dieses angenehme Brabbeln des Motors.
Kur vor Sinzing biegen wir schließlich ab ins Tal der Schwarzen Laber.
Diese kurvenreichen Sträßchen durch wunderschöne Landschaft, die man auf keiner großen Motorradhitliste findet – die machen aber oft am meisten Spaß.
Letztes Jahr war ich schon mal hier im Tal der Schwarzen Laber. Auf einer Ebiketour über den 5-Flüsse-Radweg haben wir die Variante über das Labertal gewählt. Wenns euch interessiert, das Video hierzu findet ihr auf meinem YouTube Kanal
In Eichhofen ist das Schloß Eichhofen, ein ehemaliges Hammerschloß. Hammerschlösser sind repräsentative Wohngebäude, die von Oberpfälzer Hammerwerkbesitzern im 16. bis ins 18. Jahrhundert errichtet wurden. Zu diesen zählt auch das Schloss Eichhofen im Tal der Schwarzen Laber. Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Hammerschloss befindet sich heute in Privatbesitz.
Im Gutshof befindet sich zudem noch eine Brauereigaststätte, in die der Besucher gemütlich einkehren und das vor Ort gebraute Bier der Schlossbrauerei Eichhofen genießen kann.
Ab Deuerling verlassen wir das Tal der schwarzen Laber, wenden uns Nord-Westwärts und fahren über Hemau und Breitenbrunn nach Berching an den Main-Donau-Kanal. Berching ist recht sehenswert. Eine kleine mittelalterliche Stadt mit fast vollständig erhaltener Stadtmauer.
Hier sieht alles ein bisschen so aus, als hätte jemand beschlossen, das 15. Jahrhundert einfach zu konservieren.
Wir überqueren den Kanal und rollen weiter westwärts Richtung Mittelfranken nach Weißenburg. Die Landschaft ist jetzt weiter, offener. Historische Häuser, römische Geschichte und wieder dieses Gefühl, dass hier jede zweite Ortschaft älter ist als so manches ganze Land.
Ich bin auf der 350 km-Runde durch 7 Landkreise gekommen, habe dabei 5 Regierungsbezirksgrenzen überquert und zahlreiche Maibäume in den Dörfern gesehen.
Und irgendwann kommt dann der Moment jeder Tour: die Heimat ist nicht mehr weit. Zurück Richtung Harburg.
Der Tank wird leerer, die Gedanken ruhiger und im Helm läuft schon die persönliche Highlight-Liste des Tages.
Die besten Kurven? Schwer zu sagen.
Die schönste Aussicht? Auch schwierig.
Aber genau das macht solche Touren aus:
Nicht ein einzelner Ort bleibt hängen, sondern das Gesamtpaket aus Landschaft, Straßen, kleinen Überraschungen und diesem Gefühl von Freiheit zwischen zwei Kurven.
Und ganz ehrlich …
Die nächste Route plant man meistens schon, bevor das Motorrad überhaupt wieder in der Garage steht.
Ich bin durch diese Landkreise gefahren:
- Landkreis Donau-Ries
- Landkreis Neuburg-Schrobenhausen
- Landkreis Eichstätt
- Landkreis Kelheim
- Landkreis Regensburg
- Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz
- Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
Also insgesamt 7 Landkreise.
Bei den Regierungsbezirken wird’s auch abwechslungsreich:
- Schwaben
- Oberbayern
- Niederbayern
- Oberpfalz
- Mittelfranken
Macht also starke 5 Regierungsbezirke an einem Tag.
Nicht schlecht für eine „kleine Runde“.
Und zu den Maibäumen:
Rein wissenschaftlich betrachtet liegt die Dichte an Maibäumen in Bayern ungefähr bei
„alle 1,7 Kilometer ein weiß-blau gestreifter Stamm mit Zunftzeichen“.
Auf der Strecke dürften das gewesen sein:
🎯 Zwischen 42 und 97 Maibäume
… je nachdem,
- wie aufmerksam man war,
- wie viele Biergärten die Konzentration beeinflusst haben
- und ob doppelt gesehene Maibäume nach dem Radler mitgezählt werden.
Realistisch wahrscheinlich:
„Verdammt viele.“
Das Schöne ist ja:
In Bayern merkt man erst, wie viele Orte man durchfahren hat, wenn man versucht, sich später an alle Maibäume zu erinnern.